BZ vom 7.3.2018

Am Frauentag gibt es im Haus der Begegnung ein Frauenfrühstück und eine Ausstellung
 
Kunsttherapeutische Projekt „Bilder von uns“: Gazal, Ahlan (von re.) und zwei weitere Teilnehmerinnen zeigen ihre Werke.

FOTO: Jasmin Bergmann
Von Jasmin Bergmann
EMMENDINGEN. Zehn junge Frauen aus unterschiedlichen Herkunftsländern trafen sich seit September 2017 jeden Dienstag zum Malen. Im Rahmen des kunsttherapeutischen Projekts „Kreativkurs für Frauen – Bilder von uns“ brachten sie das, was sie bewegt, auf eine Leinwand. Nun werden ihre Bilder ausgestellt: Am Weltfrauentag, 8. März, findet die Vernissage statt.
Beim Kunstprojekt ist egal, aus welchem Land man kommt oder welche Sprache man spricht: Es geht ums Malen. „Hier können wir Frauen sein, wie wir sind“, sagt Nadja Stolp. Die sozial- und heilpädagogische Kunsttherapeutin vom Team Kunstwerk ist zusammen mit Jonas Muth vom Jugendmigrationsdienst und der Schulsozialarbeit des Caritasverbandes für den Landkreis für das Projekt verantwortlich. Für die geflüchteten Frauen ist in ihrer neuen Heimat Deutschland noch alles ungewohnt, auch das Malen. „Mit dem Projekt zeigen wir ihnen, dass Neues auch schön sein kann“, sagt Stolp.
Das Kunstprojekt ist eine Kooperation des Caritasverbandes, der Gewerblichen und Hauswirtschaftlich-Sozialpflegerischen Schulen Emmendingen (GHSE) und des Teams Kunstwerk. Ermöglicht wurde es durch Spenden des Kiwanis Clubs Emmendingen und des „Gesprächsraums Schule“. Es ist das zweite kunsttherapeutische Projekt dieser Art . Die Idee dahinter war laut Muth, einen Raum für Frauen zu schaffen, in dem sie sich präsentieren können. Stolp ergänzt: „Wir brauchen für Frauen eigene Räume.“ Es sei wichtig, dass Frauen nicht nur das machten, was Männer ihnen sagten.
Zehn Schülerinnen der GHSE beteiligten sich. Sie sind zwischen 16 und 20 Jahre alt und leben unterschiedlich lange in Deutschland. Die deutsche Sprache bereitet ab und an noch Schwierigkeiten. Manchmal muss der 30-jährige Hussam Saker als Dolmetscher aushelfen. Muth betont: „Man benötigt keine Sprachkenntnisse, um an dem Projekt teilnehmen zu können.“ Jede der geflüchteten Frauen hat mindestens ein Bild gemalt. Viele davon sind sehr persönlich. Eines ist beispielsweise den verstorbenen Eltern gewidmet. Die drei Bilder der Syrerin Gazal sind dagegen farbenfroh. Auf einem ist eine Blume, auf einem anderen das Weltall dargestellt. Über die beiden Werke sagt sie: „Liebe ist eine Pflanze und das Weltall ist voller Liebe.“ Die 16-Jährige lebt seit zwei Jahren in Emmendingen. Wieso sie an dem Projekt teilnimmt? „Malen ist mein Hobby“, sagt sie. Auch Ahlan, 17 Jahre alt, mag am Malen besonders die bunten Farben. Sie kommt aus dem Irak und lebt seit zwei Jahren in Kenzingen.
Die Ausstellungseröffnung findet gemeinsam mit dem Internationalen Frauenfrühstück im Haus der Begegnung in Emmendingen statt.
Während des Frühstücks gibt es einen Vortrag über Frauenrechte von Sylvia Fall, Koordinatorin für Flüchtlingshilfe bei der Stadtverwaltung. Am Frühstück und somit an der Ausstellungseröffnung dürfen nur Frauen teilnehmen. Anschließend können sich auch Männer und Kinder die Kunstwerke anschauen. Laut Stolp sollen die Schülerinnen dadurch erkennen, dass es auch andere Gruppen von Frauen mit unterschiedlichen Herkunftsländern gibt, die sich regelmäßig treffen.
Info: Das Internationale Frauenfrühstück findet am Donnerstag, 8. März, von 9.30 bis 12 Uhr im Haus der Begegnung, Karl-Friedrich-Straße 40, in Emmendingen statt. Frauen aus verschiedenen Herkunftsländern sind dazu eingeladen. Wer möchte, kann etwas zum Frühstücksbuffet mitbringen. Bis Schuljahresende hängen die Bilder im Haus der Begegnung und können bei Veranstaltungen oder nach Absprache mit Sylvia Fall, 07641/452-276, besichtigt werden.


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