BZ vom 9.11.2017


Austauschschüler aus dem Landkreis Emmendingen erleben in Palästina und Israel ganz verschiedenen Ansichten und Einsichten.

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EMMENDINGEN. Im Rahmen des Schüleraustauschs zwischen den Gewerblichen und Hauswirtschaftlich-Sozialpflegerischen Schulen (GHSE) und sowohl israelischen als auch palästinensischen Jugendlichen war eine Schülergruppe aus dem Landkreis Emmendingen zwei Wochen zu Gast bei deren Familien. Hanna Maurer und Heike Fichtner schildern ihre Eindrücke von Palästina und Israel.
Unser erstes Ziel war Beit Jala, ein Vorort von Bethlehem. Hier wohnen die meisten unserer palästinensischen Austauschpartner, die während ihres Besuchs in Emmendingen (die BZ hat am 20. Oktober darüber berichtet) zu Freunden geworden waren. Wir wohnten immer zu zweit in einer Gastfamilie. Bereits aus dem Bus heraus konnte man sehen, wie viel Müll überall in Palästina auf den Straßen liegt.

An unserer Austauschschule Talitha Kumi angekommen, wurden wir herzlich von unseren Partnern empfangen und mit nach Hause genommen. Dort lernten wir die Gastfamilien kennen. Hier bemerkten wir, wie schwer einfachste Gespräche sein können, da in den meisten Familien nur wenige Englischkenntnisse vorhanden sind. Politische Gespräche gab es kaum und wenn, waren die Antworten auf unsere Fragen meist wenig aussagekräftig. Auf Fragen wie: "Wie ist deine Meinung zu der momentanen Lage?" kam nur ein schüchternes "Weiß ich nicht." Und obwohl wir in eher wohlhabenden Familien lebten, waren die Häuser meistens schon etwas heruntergekommen, und Geschwister mussten sich oft ein Zimmer teilen.
 
   
Ganz anders war es dagegen in Israel. Die Straßen sind sauber und von Müll keine Spur. Auch hier waren wir in wohlhabenden Familien untergebracht, wobei man das deutlich sehen konnte. Es gab mehr Platz und alles sah viel moderner aus. Die Englischkenntnisse waren in der ganzen Familie weitaus besser, wodurch Gespräche leichter fielen. Auch zur Politik gab es eindeutige Meinungen sowohl von den Schülern als auch von den Eltern. Diese gingen jedoch weit auseinander. Es gab zum einen eher rechts Eingestellte, welche uns vorwarfen die Palästinenser mit nach Struthof, dem ehemaligen Konzentrationslager im Elsass, genommen zu haben. Es sei ja nicht deren Geschichte. Im gleichen Atemzug beschwerten sie sich darüber, dass die Palästinenser nicht ausreichend über den Holocaust Bescheid wissen. Doch es gab auch andere Meinungen: Israelis, die zwar an ein friedliches Zusammenleben glauben, einen baldigen Frieden aber nicht für möglich halten.

Auch für uns war der Konflikt klar sichtbar, beispielsweise als wir in Hebron waren. Dort wohnen israelische Siedler auf den Dächern palästinensischer Häuser. Sie werfen Müll auf die palästinensischen Straßen, weshalb die Palästinenser sich mit Gittern schützen müssen. Besonders eindrucksvoll fanden wir Ghost Town, einen fast ausgestorbenen Stadtteil von Hebron, in dem die Armut zum Greifen nah war. In unseren Köpfen geblieben ist ein junger israelischer Soldat, der mit kleinen palästinensischen Kindern Fußball spielte, dabei jedoch sein Maschinengewehr nicht aus der Hand gelegt hat.

Natürlich besuchten wir auch Jerusalem und das Tote Meer mit der Felsenfestung Masada, übernachteten in der Kamel-Farm in der Negev Wüste, erlebten den See Genezareth mit den christlichen Stätten, wurden in der Partnerregion des Landkreises Emmendingen herzlich empfangen und staunten über das Leben in Tel Aviv und Jaffa.

Es war eine sehr eindrucksvolle Reise, durch die wir viele Erfahrungen dazugewonnen haben. Wir würden sie jederzeit wieder machen und sie jedem empfehlen, der die Chance dazu bekommt.

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