BZ vom 20.10.2017

Israelis, Palästinenser und Deutsche, Juden, Muslime und Christen begegnen sich auf Initiative des GHSE-Fördervereins



Shakshuka, Hummus und TabouIeh: Die israelischen und palästinensischen Austauschschüler bereiten in der Schulküche der GHSE vorderasiatische Spezialitäten zu. FOTO: Förderverein der GHSE


EMMENDINGEN. In Emmendingen begegneten sich 28 Jugendliche aus Israel, Palästina und Deutschland. Die Gäste aus Vorderasien trafen sich im für sie weit entfernten Schwarzwald zum ersten Mal. Der vom Förderverein der Gewerblichen und Hauswirtschaftlich-sozialpflegerischen Schulen (GHSE) organisierte Schüleraustausch hat das primäre Ziel, die zwei zerstrittenen Völker einander näherzubringen. Der Emmendinger Schüler Felix Schneider hatte einen palästinensischen Austauschgast, Jonas Pirthauer einen israelischen. Hier ihr Bericht über die Begegnung.
Erstaunen über WassermassenTrotz der problematischen Situation zwischen Israel und Palästina wuchsen wir schnell als Gruppe zusammen, und der Konflikt machte sich kaum bemerkbar. Da die Gäste aus Israel vertrauter mit der deutschen Kultur waren, begegneten sie uns mit einer erfreulichen Offenheit und Kontaktfreudigkeit. Oft reagierten die Gäste erstaunt über die Verhältnisse in Deutschland, aber an der Landschaft fanden sie viel Freude. Nicht nur einmal wurde uns erzählt, wie grün Deutschland doch im Gegensatz zu ihrer Heimat sei. Der Besuch des Rheinfalls in Schaffhausen war aufgrund der enormen Wassermassen, die es in den Ländern der Gäste nie zu sehen gibt, ein absolutes Highlight für beide Gruppen. Vor allem während der Aktivitäten, wie beispielsweise bei der Wanderung auf dem Baumkronenweg in Waldkirch, entstanden auch Freundschaften zwischen israelischen und palästinensischen Jugendlichen.

Tränen im ehemaligen KZ StruthofDer gemeinsame Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Struthof war, vor allem für die Gäste aus Israel, ein sehr wichtiges Erlebnis. Sie zündeten dort Kerzen an und gedachten beim Singen von Liedern der Opfer des Holocaust. Den Palästinensern ging es sehr nahe, die Israelis weinen zu sehen, da sie wenig bis gar nichts über die Vergangenheit der Juden in Deutschland wissen, da dies in ihren Schulbüchern nicht gelehrt wird. Außerdem besuchten die Gäste aus Israel mit uns einen jüdischen Gottesdienst in der Emmendinger Synagoge.

Gespräche gehen unter die HautSchon der zweitägige Umweg der Palästinenser über Jordanien und Österreich spricht Bände. Die meisten Jugendlichen der Gruppe besuchten zum ersten Mal das Ausland. Dies machte sich schnell in Zurückhaltung und Unsicherheit bemerkbar. In einer alltäglichen Unterhaltung wurde auch hier der Unterschied zwischen Israel und Palästina deutlich. Wir sprachen über Länder, die wir schon besuchte hatten. Die Palästinenser waren lediglich im Nachbarland Jordanien gewesen. Wir suchten das Gespräch mit den palästinensischen Austauschpartnern über ihre Meinung zum Konflikt der beiden Völker. Wir sprachen sehr offen darüber und es war ihnen wichtig, nicht alle Israelis unter einen Hut zu stecken. „Ich mag die Leute aus Israel vom Austausch wirklich sehr, aber ich habe Angst vor deren Polizei“, sagte ein 15-jähriger Palästinenser. Er räumte ein, dass die eigene Regierung große Fehler mache und er unzufrieden sei. Dieses Gespräch ging uns unter die Haut. Wir müssen froh sein, in einem Land ohne Krieg und ohne tägliche Gewalt leben zu dürfen.

Frieden, Freiheit, GemeinschaftWährend für uns erst die Hälfte des Austausches vergangen ist, werden sich die Jugendlichen aus Israel und Palästina vorerst nicht wieder treffen können. Der Austausch zeigte uns, dass wir alle das selbe Ziel vor Augen haben: Frieden, Freiheit und Gemeinschaft. Dennoch sind Israel und Palästina gespalten. Unsere Gäste sind weniger als 90 Kilometer voneinander entfernt und leben trotzdem in komplett anderen Welten. Wir hoffen, mit dem Austausch einen Beitrag zur Völkerverständigung geleistet zu haben.

Schüleraustausch

Vom 5. bis zum 16. Oktober waren Jugendliche aus dem israelischen Partnerlandkreis Drom Hasharon und dem palästinensischen Talitha Kumi zu Gast im Landkreis Emmendingen. Die Gruppe deutscher Schüler beginnt ihren Gegenbesuch am kommenden Sonntag. Bereits in den frühen Morgenstunden werden sie in Tel Aviv landen, anschließend geht die Fahrt nach Talitha Kumi. Der Rückflug ist am 2. November geplant.

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