BZ vom 20.10.2017

EMMENDINGEN. Das gemeinsame Singen ist wieder in aller Munde. Während traditionelle Chöre über Mitgliederschwund klagen, füllen Gruppen, die sich Pop, Soul, Swing oder Jazz verschrieben haben Hallen und Säle. Ihr Name ist dabei meist auch Programm – wie bei Popvox aus Emmendingen, der die Hits der Popgeschichte im Programm hat. Immer mittwochs treffen sich die knapp 40 Sängerinnen und Sänger zur Probe im Musikraum der Gewerblichen Schulen GHSE. Die BZ war bei einer Probe dabei.
Es ist noch sommerlich heiß an diesem Abend. Mit bunten Fächern verschaffen sich einige Sängerinnen beim Einsingen im Musikraum etwas Kühlung. Dann geht’s spontan nach draußen vor die Tür: zum Robbie Williams-Titel "Angels" wird das "Staging" geübt. Arme kreisen, Hüften schwingen und die Sänger stehen sich beim Singen mal gegenüber, mal drehen sie sich zur Seite. Einstudiert hat dies der Chor bei einem Workshop, um die eigene Bühnenpräsenz zu verbessern. Die schwungvolle Choreografie nach Noten soll das oft statische Bild bei Konzerten auflockern und Sängern wie Zuhörern zusätzlichen Spaß bereiten – das Singen soll zum Erlebnis werden. Auf den Notenblättern werden die Bewegungsabläufe markiert. Die Positionswechsel klappen schon ganz gut und Dirigent Stefan Rheidt ist zufrieden. Drinnen geht’s dann wieder ans Eingemachte. Der Song "Fix You" wird geprobt. Zunächst sind die Herren der Schöpfung gefragt, die an diesem Abend, spärlich besetzt, ihr Bestes geben. Tenor und Bass starten, Sopran, Mezzosopran und Alt folgen. "Ihr seid noch etwas unsicher damit", urteilt Rheidt, "daher bitte üben, üben, üben."

Der Profimusiker mit Diplom und Chorleiter aus Berufung ist Sänger und Manager beim Jazzchor Freiburg und leitet auch Bigbands wie die Black Forest Tigers im Emmendinger Verein Tonart. Er hat als Arrangeur und Coach viel Erfahrung mit Laienchören. Am E-Piano gibt er den Takt vor, schnippst mit den Fingern, lässt immer wieder Passagen wiederholen und singt selbst mit. Stets hat er das Notebook im Blick und korrigiert, wenn bei den Sängern falsche Töne fallen. Seine Kritik ist konstruktiv und wird akzeptiert – auch wenn’s manchmal schwerfällt. Es ist harte Arbeit: Immer wieder wird das gesungene Lied in seine Einzelteile zerlegt – "solange bis es wieder zusammenwächst", wie er sagt.

Die Stücke, die an diesem Abend einstudiert werden, sind gängige Songs und Klassiker der Pop-Geschichte, die auch im Konzert-Repertoire von Popvox zu finden sind. Fast jeder kennt sie aus dem Radio. Lieder von Adele oder Amy Winehouse sind darunter, Stücke von Coldplay, Abba, Queen oder James Taylor und immer wieder der Beatles. Denn einige der Chormitglieder sind schon beim Vorläufer des 2009 gegründeten Ensembles, dem "Beatles Revival Chor", mit dabei gewesen und mögen die Songs der Fab Four ganz besonders gerne. Mit seiner Stückeauswahl zieht Popvox auch jüngere Sänger an, wenngleich an diesem Probeabend die ganz Jungen fehlen. Der Chor ist zwar gut besetzt, doch verstärken möchte sich Popvox vor allem mit Männerstimmen. Das "starke Geschlecht" ist deutlich in der Minderzahl. Woran das liegt? "Männer mögen es nicht so, aus sich raus zu gehen", glaubt eine Sängerin, die allerdings ihren Ehemann an ihrer Seite weiß.

Bei aller harten Probenarbeit, die Mitglieder scheinen sichtlichen Spaß zu haben und die zwei Stunden vergehen wie im Flug. Zwischendrin gibt’s noch eine Besprechungsrunde mit wichtigen Terminen, die im restlichen Jahr anstehen, dann darf das jüngste Geburtstagskind seinen Wunschtitel äußern. "Make you feel my love" erklingt dann aber erst nach einer halben Stunde intensiven Trainings. Sängerin Heike nimmt ihr Geburtstagsständchen aus der Feder von Bob Dylan in der Mitte der Runde sichtlich gerührt entgegen. Dann folgt zum Schluss noch passenderweise "Good Night" von Beatle Ringo Starr. Rasch wird aufgeräumt und die Noten zusammengepackt. Die Zeit drängt. Pünktlich fünf Minuten vor 22 Uhr stürmt die Gruppe nach draußen. Um diese Zeit wird die Alarmanlage der Schule scharf geschaltet. Und solche Misstöne will Popvox gerne vermeiden.
Info: Wer im Chor mitsingen möchte, ist bei den wöchentlichen Proben (mittwochs ab 19.45 Uhr im Musikraum der Gewerblichen Schulen (GHSE) willkommen; Kontakt im Internet: http://www.pop-vox.de

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