Bz vom Donnerstag, 16. Februar 2017

Die Integrationsbeauftragte Katharina Katt sieht Emmendingen auf einem guten Weg bei der Integration von Flüchtlingen
 
Von der Gemeinschaftsunterkunft zum eigenen Heim ist es ein beschwerlicher Weg. Doch bei der Integration der in Emmendingen lebenden Flüchtlinge gibt es Fortschritte.

Von Gerhard Walser
EMMENDINGEN. „Wir sind einen großen Schritt weiter,“ sagt Katharina Katt. Die Integrationsbeauftragte der Stadt sprach im Kultur- und Sozialausschuss über die Situation der in Emmendingen lebenden Flüchtlinge. Derzeit sind es 567 Menschen mit unterschiedlichem Status, darunter 230 Kinder und Jugendliche. Die größte Herausforderung ist laut Katt neben der Wohnraumversorgung der bereits anerkannten Geflüchteten die Integration in den Arbeitsmarkt. Doch auch hier gibt es erste Erfolge bei der Vermittlung.
DIE AKTUELLEN ZAHLEN
„Der typische Flüchtling ist männlich und jung“, sagt Katharina Katt und belegt dies mit aktuellen Zahlen. Rund 70 Prozent macht der Anteil der Männer aus, die aus ihren Krisenregionen den beschwerlichen Weg nach Deutschland gesucht und gefunden haben: 567 Geflüchtete sind es insgesamt, darunter 240 anerkannte Migranten und 53 mit Duldung, 274 haben eine Aufenthaltsgestattung und durchlaufen noch das Asylverfahren. „Es gibt eine sehr große Dynamik“, weiß Katt, „doch die Zahlen sind stabil, es sind nur nicht immer die gleichen Leute“. Der Grund: immer wieder gibt es Neuzugänge und Wegzüge nach der Anerkennung. Die Gesamtzahl ausländischer Mitbürger liegt damit derzeit bei 3412 Menschen.
Geprägt ist die Situation ein Jahr nach dem letzten Flüchtlingsbericht durch die Aufgabe zahlreicher Standorte für die Erstunterbringung, nachdem sich der Zustrom merklich entspannt hat. Die ehemalige Bahnhofswirtschaft in Kollmarsreute, das frühere landwirtschaftliche Internat auf der Hochburg und ein Haus an der Schwarzwaldstraße wurden vom Landkreis ebenso aufgegeben wie die provisorische Belegung der GHSE-Turnhalle. Die Hochburg-Flüchtlinge werden in diesen Tagen in die fertig gestellte neue Container-Unterkunft in Mundingen verlegt.
DER WOHNRAUM
Doch die Wohnraumfrage bleibt drängend: „Viele anerkannte Flüchtlinge bleiben in den Gemeinschaftsunterkünften, weil sie auf dem Wohnungsmarkt einfach keine Wohnung finden“, so Katharina Katt. Allein in Mundingen wartet die Hälfte der 50 Geflüchteten in der neuen Bleibe schon wieder auf den Auszug. „Und nicht jede Erstunterbringung taugt als dauerhafter Wohnraum“, ergänzt Oberbürgermeister Stefan Schlatterer, der an die Emmendinger appelliert, leer stehende Wohnungen zu melden und zu vermieten. Die städtische Wohnbaugesellschaft bemüht sich um Anmietungen und investiert in den Neubau – etwa in der Rheinstraße, wo sieben Wohnungen für Flüchtlingsfamilien bereit gehalten werden sollen. Auch im Sanierungsobjekt an der Neubronnstraße sollen anerkannte Flüchtlinge unterkommen können. Unter Federführung des Diakonischen Werks bildet sich derzeit eine „Aktionsgemeinschaft Wohnraum Emmendingen“, die den Migranten mit der Übernahme von Mietbürgschaften, Untervermietungen und Wohnungspatenschaften Hilfestellungen bei der schwierigen Wohnungssuche leisten möchte.
DIE ARBEITSSUCHE
Auf einem guten aber langen Weg ist Emmendingen bei der Arbeitsmarktintegration, wie Katharina Katt betont. Die Integrationsquote beträgt hier 17,4 Prozent – landesweit liegt sie bei 16,7 Prozent, im Bund sogar nur bei 14,9 Prozent. Im Jahr 2016 haben immerhin 89 Geflüchtete einen festen Job gefunden. 207 sind beim Jobcenter noch gemeldet, darunter 130 Männer und 77 Frauen. Die größte Volksgruppe stellen die Syrer mit 54 Prozent. Mit dem gängigen Vorurteil, „dass Flüchtlinge nur rumhängen und die Zeit totschlagen“, räumt die Integrationsbeauftragte auf: „Alle machen etwas und belegen zumindest Sprach- und Integrationskurse“. Die Fachstelle unterstützt die Flüchtlinge zusammen mit vielen Ehrenamtlichen bei Bewerbungen und Jobsuche, organisiert Firmenbesichtigungen oder vermittelt gemeinnützige Tätigkeiten bei der Stadt. „Es gibt sehr viele Akteure und Kümmerer im Bereich Arbeitsmarkt“, freut sich Katt. Die ehrenamtlichen Helfer sind ein Pfund, mit dem die Fachstelle gerne weiter wuchern möchte. Derzeit sind es rund 180 Emmendinger, die sich freiwillig auf vielen Feldern engagieren – mit vielen Angeboten zur „Willkommenskultur“: Begegnungscafé, Vorleseaktionen, Museumsführungen, gemeinsames Picknick oder als Höhepunkt die Interkulturelle Woche im Herbst. „Fast alle, die einmal angefangen haben, bleiben dabei“, berichtet Katt. Nur die Intensität des Einsatzes geht mit zunehmender Selbständigkeit der Flüchtlinge zurück. „Ohne die Hilfe der Ehrenamtlichen wäre all dies nicht zu leisten“, so das Fazit von OB Stefan Schlatterer.

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